Das Magazin „China National Geography" wählte im Oktober 2005 die fünf schönsten Seen Chinas: Der Qinghai-See in der gleichnamigen westchinesischen Provinz, der Kanassee in Xinjiang, der Namco in Tibet, der Tianchi in der nordostchinesischen Provinz Jilin und der Westsee in Hangzhou im Osten des Landes. Jedes dieser Gewässer hat seine eigenen Besonderheiten.

Wir möchten ihnen nun mehr über den Kanassee berichten. Dieser mysteriöse Hochgebirgssee liegt tief im Altai-Gebirge im Norden Xinjiangs. Auf einem Gedenkstein am Ufer des Sees findet sich folgendes Zitat aus dem Jahre 1994, welches einem Umweltbeamten der UNO zugeschrieben wird: „Dies ist das letzte unerschlossene Gebiet der Welt. Seine Existenz beweist, dass die Menschheit in der Vergangenheit unglaublich schöne Landschaften hatte."
Der Kanassee befindet sich im Kreis Burqin im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang. Im Jahre 1980 wurde hier ein staatliches Naturschutzgebiet gegründet, welches an Russland, Kasachstan und die Mongolei grenzt. Die „China National Geography" beschreibt den See aufgrund seiner Vielfalt als „Farbpalette Gottes". Bei klarem Wetter scheint der See in blauer und grüner Farbe wider, bei einer leichten Bewölkung hingegen zeigt er eine leicht rosane Färbung. Bei stark bedecktem Himmel schließlich dominieren blau und grau die Erscheinung des Sees.

Der Kanassee entstand vor etwa 200.000 Jahren und ist mit einer Tiefe von 196 Metern der tiefste Frischwassersee Chinas. 800 Pflanzen- und 120 Vogelarten sind in der Region heimisch. Zudem leben an den Ufern des Sees etwa 1400 Angehörige der Minderheit der Tuwa, deren Vorfahren vor mehr als tausend Jahren aus Sibirien einwanderten. Bis heute hat sich ihre Lebensweise kaum verändert.
Auf einer Höhe von 1374 Metern über dem Meeresspiegel und mit einer Fläche von 45 Quadratkilometern wird der See von schneebedeckten Berggipfeln, Wäldern und weiten Wiesen eingerahmt. Die Landschaft ist wunderschön und die einzige in ganz China, die von südsibirischer Flora und Fauna geprägt ist. Hier wachsen zahlreiche kostbare Baumsorten wie Lärchen, die koreanische Kiefer, Fichten und Tannen sowie weitläufige Birkenwälder.
Schon seit langem erzählt man sich hier von einem im See verborgenen Monster. Es heißt, dass immer wieder Haustiere ins Wasser gezogen und getötet werden, die sich zu nah an das Ufer wagen. Die letzte Sichtung des vermeintlichen Monsters fand im Juni 2005 statt. Damals hatten Touristen aus Beijing ein unbekanntes, schwarzes Objekt gefilmt, das sich schnell im Wasser bewegte. Die Länge des Objektes schätzten sie auf etwa 20 Meter.
Die Sagen um dieses rätselhafte Lebewesen führte seit den 1980er Jahren zu zahlreichen wissenschaftlichen Expeditionen zum Kanassee. Einige Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass es sich um besonders große Exemplare der Fischart Hucho Taimen handeln könnte. Gefangen wurde ein Fisch dieser Größenordnung allerdings noch nie. |