Das Verteilen von Förderbeiträgen für die Waldnutzung wurde bereits in einigen Regionen Chinas erfolgreich getestet. Das System soll jetzt im ganzen Land angewandt werden und so die Waldfläche um 40 Millionen Hektaren erhöhen. Bauern in Südwestchina haben gute Resultate im Bereich der Treibhausgasemissionsreduktion erzielt. "Als ich noch klein war, haben wir selbst fingerdünne Bäume gefällt, um Feuer zu machen. Heute fassen wir nicht einmal mehr die großen Bäume an", erzählte Li Xue, ein Dorfbewohner aus dem Landkreis Leishan in der Provinz Guizhou. Leishan befindet sich am Oberlauf zweier großer Gewässer, dem Jangtse und dem Perlfluss. Die Region war einmal die ökologisch sensibelste Region des Landes.
Dank der Aufforstung und Waldschutzmassnahmen, welche gemeinsam von den Bauern und der Lokalregierung in den letzten Jahren durchgeführt worden waren, sind jetzt 70 Prozent des Landkreises mit Wald bedeckt, was elf Prozentpunkte mehr als noch vor zehn Jahren sind. "Wir sehen jetzt oft Wildschweine in den Wäldern. Früher war das noch eine Seltenheit", erzählte Li. Gemäß Li Tianyou, dem Vizegeneraldirektor des Waldbüros des Landkreises, hat die Regierung kontinuierlich Verträge über kollektives Waldland mit Bauern geschlossen. So konnten 190.000 Bauern Waldgarantien gegeben und 84.500 Hektaren mit Wald bedeckt werden. "Das ist wie eine Art "Grüne Bank", die wir hier aufgebaut haben. Durch eine gute Überwachung, Aufforstung und Öko-Tourismus, konnten die Bäume den Bauern viel Wohlstand bringen", erklärte Li und fügte an, dass die Regierung den Lokalbewohnern auch Geld für die Waldverwaltung gegeben habe. Ein Früchtebaum Namens Litsea Cubeba (Bergpfeffer) ist die Lieblingspflanze der Menschen in Leishan. Er wächst schnell im ausgedörrten Boden auf den Hügelkuppen. Seine Beeren sind essbar und es können wohlschmeckende Öle aus ihnen extrahiert werden.
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Maßnahmen zum "Schutze" eines gewissen Waldanteils, setzt Chinas derzeitiges Waldschutzsystem auf "intelligente" Maßnahmen, um die Bauern die Initiative bei den Schutzarbeiten ergreifen zu lassen, sie zu subventionieren und sie zum Aufbau eines Geschäfts zu ermutigen. Nach zwei Jahren rückt das Konzept einer "Grünen Bank" wieder in das Rampenlicht der Öffentlichkeit, da die internationale Gemeinschaft gemeinsam gegen den Klimawandel ankämpft. Kurz vor dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen, kündete China seine spezifischen Ziele zur Kontrolle der Treibhausgasemissionen an. Unter ihnen findet sich auch die Erhöhung der Waldgebiete um 40 Millionen Hektaren und das Waldvolumens auf 1,3 Milliarden Kubikmeter, ausgehenden von den Zahlen im Jahre 2005. Das Umweltbewusstsein der chinesischen Bauern wurde durch das Konzept der "Grünen Bank" ebenfalls erhöht. So wurde im Dorf Chuanyan in Landkreis Dafang der Provinz Guizhou, wo es früher oft Erdrutsche wegen der zu starken Abholzung gegeben hatte, das Waltgebiet auf 2000 Hektare erhöht, was 68,5 Prozent der Landkreisfläche entspricht. "Wir mussten viel leiden, als die Umwelt so schrecklich schlecht war", meinte Yang Xianfu, der Verträge für das Bepflanzen von 40 Hektaren kargem Bergland unterzeichnet hat.
Im Nordwesten der chinesischen Provinz Qinghai, wo der Jangtse, der Gelbe Fluss und der Lancang-Fluss entspringen, verdoppelte die Regierung den Förderungsbeitrag von 5 Yuan pro Mu (etwa 7 Euro pro Hektare) auf 10 Yuan, um das Waldgeschäft der Bauern zu fördern. "Familien, die ein großes Waldstück verwalten, können so Förderungsbeiträge von 50.000 Yuan (5000 Euro) im Jahr erhalten", erklärte Huang Jiangyong, ein Funktionär des Qinghai Provinz-Forstbüros. Etwa 1,46 Millionen Hektaren Waldland soll mit den Bauern nächstes Jahr unter Vertrag genommen werden, die Vertragsperiode beträgt 70 Jahre. Wie in vielen anderen Entwicklungsländern gibt es aber noch ein Dilemma: wie kann ein Entwicklungsland den wirtschaftlichen Verlust durch den Umweltschutz decken, wenn man die traditionelle Bauernarbeit aufgibt? In Leishan, wo die einst florierende Holzverarbeitungsindustrie von der Regierung zurückgebunden worden war, eröffneten viele Leute kleine Betriebe wie Restaurants oder Hotels, welche aber oft nicht annährend so profitabel wie die Holzverarbeitung sind. Li Tianyou sagte, dass die derzeitige Kompensation für viele arme Familien zu tief sei und forderte die Regierung auf, die Subventionen zu erhöhen. Die Problematik soll auch am kommenden Klimagipfel diskutiert werden.
Den Statistiken der chinesischen Nationalwaldverarbeitung SFA zufolge, absorbierten die Wälder Chinas zwischen 1980 und 2005 wegen dem Aufforstungsprogramms zusätzliche 4,68 Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Weitere 430 Millionen Tonnen konnten durch die Kontrolle des Waldrückganges gebunden werden, was insgesamt 5,11 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid oder acht Prozent der totalen industriellen CO2-Emission während jener Zeit sind. Der SFA-Vorsitzende Jia Zhibang sagte, dass der Zuwachs and Waldfläche und Ressourcen zeige, dass China aktiv sei im Kampf gegen den Klimawandel. Li Tianyous Ausdrücke wie "Wald als Kohlendioxidsenke" waren aber für die normalen Menschen zu kompliziert. Er erklärte: "Uns ist am wichtigsten, wie wird die Waldfläche erhöhen und der Lokalbevölkerung zugleich helfen können." |